Beim ersten Mal tut’s noch weh – oder: Der Weg zum ersten Halbmarathon

Heute mal etwas Anderes im Blog.

Ich dachte mir, ich könnte einfach mal einen kleinen Rückblick wagen, jetzt, etwa zwei Wochen nach meinem ersten Lauf über 21,1 km.

Ich möchte das Ganze nicht technisch aufarbeiten (Trainings, Art der Läufe und ähnliches, denn dazu gibt es mit Sicherheit andere Seiten, die das besser können, bzw. die sich mit nichts Weiterem als Traningsplanung etc. beschäftigen. Vielmehr soll es einfach eine subjektive, vielleicht auch etwas emotionale Betrachtung werden. Mal sehen…

Also:

Die Vorgeschichte

Ich fing mit dem Laufen in den letzten ein oder zwei Jahren meiner aktiven Zeit beim Football wieder an.

Mit damals 135 kg war es eher ein aktives Gehen, denn ein Joggen, aber es half mir, die Spiele besser durchzustehen. Nach der letzten aktiven Saison 2014 wurde dann das Training umgestellt. Von 2x die Woche auf dem Feld plus Spiel ging es dreimal die Woche raus zum Laufen.

Wie gesagt, Anfangs dann etwas langsamer. Aber die Übung kommt ja bekanntlich mit der Zeit.

So war es dann auch, langsam wurden die Zeiten „besser“, und eine gewisse Angst vor „langen Strecken“ (5-6 km) legte sich. Zusammen mit der Umstellung der Ernährung ging es dann auch mit dem Gewicht abwärts.

Vor etwa 2,5 Jahren entschied ich mich dann, mir einen Fitnesstracker in Form einer Armbanduhr zuzulegen, und irgendwie kam damit dann auch eine neue Motivation auf, sich mehr, bzw. intensiver zu bewegen.

Gedacht, getan, und es wurde wieder mit den Ergebnissen der Läufe besser.

Nicht dass mich jemand falsch versteht, besser heißt nicht, dass man mich demnächst bei großen, internationalen Lauf-Veranstaltungen sehen würde. Es waren Verbesserungen im kleinen Rahmen und für mein eigenes Wohlbefinden.

Winterläufe

Anfang des Jahres war in den letzten Jahren meiner aktiven Zeit im Hundesportverein, in dem wir auch noch Mitglied waren, immer eine Laufveranstaltung, die sich „Winterwaldgeländelauf“ nannte. Es war eine Funveranstaltung, bei der man zwei Stunden Zeit hatte, so viele Runden (à ca. 2 km) zu drehen, wie man konnte, wobei bei Ablauf der zwei Stunden die angefangene Runde noch zu Ende gelaufen werden durfte. Die Runden durften mit oder ohne Hund absolviert werden.

Einmal vom Ehrgeiz gepackt, stürzte ich mich in dieses Abenteuer – jedoch nicht direkt bei der ersten Teilnahme. Denn da blieb ich bei einem Spaziergang mit Hund und 4 Runden. Soviel dann zur eigenen Courage 😉

Beim nächsten Mal konnte ich mich dann doch dazu aufraffen, richtig zu laufen, und schaffte auch 7 Runden in der vorgegebenen Zeit. Dafür lief ich die anschließenden 2 km zurück zum Vereinsheim auch noch, und schloss diesen Tag mit insgesamt 6 km ab.

Auch im folgenden Jahr brachte ich es auf 7 Runden, auch, wenn ich mich im Vorfeld etwas besser vorbereitete. Aber etwas kommt immer dazwischen, und eine solche Veranstaltung im Winter fordert immer Tribut. Sei es Krankheit im Vorfeld, Unwilligkeit bei widrigem Wetter zu trainieren, oder ähnlichem, dass einen dann doch von der entsprechenden Vorbereitung „abhalten“.

Mein eigener Winterlauf

Im folgendem Jahr entfiel die Veranstaltung auf Grund von Differenzen im Verein. In dem Jahr beschloss ich dann am entsprechendem Datum (es war gefühlt IMMER der Tag, an dem in der Nacht der Superbowl im Fernsehen gezeigt wurde, also der erste Sonntag im Februar) meinen eigenen Winterlauf zu veranstalten.

Mental und körperlich auf den Lauf vorbereitet (Mittlerweile auch nur noch knapp 100 kg „leicht) ging es dann auf eine vorher ausgeschaute Route, die mich ca. 13 km durch den Essener Norden und Bottrop, vorbei an Zeche Prosper-Haniel führte.

Nach dieser Runde wusste ich aber auch, was ich getan hatte.

Auftrag und Läufer erledigt, den Superbowl hatte ich mir verdient.

Später im Jahr fing ich dann an, meine Strecken zwischendurch immer wieder länger zu machen, damit ich nicht immer nur meine obligatorischen 4-5 km laufe.

Insgesamt war ich schon damit halbwegs zufrieden.

Langer Lauf im Urlaub

Letztes Jahr (2019) im Urlaub dann hatte ich mir vorgenommen, in Norden bzw. Norden-Norddeich einige der Terrainwanderwege, Wanderrouten, die durch Norden und Umgebung führten, zu erkunden.

Durch die Teilweise schlecht gepflegte Beschilderung verhaspelte ich mich das eine oder andere Mal. Es ging erst auf eine 7 km Runde durch den Norddeicher Hafen und anschließend, ein paar Tage später, auf die bisher längste, am Stück gelaufene Runde von 15,5 km. Die Tour war als „Zwei-Häfentour“ gekennzeichnet, und schlug einen Bogen durch Norden und Norden-Norddeich, zwischen dem alten Hafen und dem Fähr- und Fischereihafen.

Nach der Tour war entsprechend geschafft, aber hatte dafür die Landschaft und die Luft genießen können.

So ein Lauf auf einem Stück Deich, entlang der Mole und durch den Hafen, sowie spätsommerliche Felder am Morgen hat schon etwas für sich.

Mein erster 15,5 km Lauf durch Norden

Für mich stand fest: Das muss ich im Nächsten Jahr wiederholen.

2020, das Jahr der seltsamen Bedingungen

Dieses Jahr wurde wieder fleißig gelaufen, ich streute immer wieder längere Läufe über 10 km ein, mit dem Hintergedanken, dass ich so die 15 km besser überstehen würde.

Dann kam CoVid-19. Und der Lockdown(-Light).

Aber ich durfte ja laufen gehen. Solange ich mich draußen irgendwo bewegte, wo nicht viele Menschen waren, und ich den Abstand hielt, war es noch in Ordnung. Das ist an sich natürlich ein Problem in einer Großstadt, aber zum Glück wohnen wir in der Nähe eines Gewerbegebietes, in dem ich eh viel Lautechnisch unterwegs bin, und auch die sonstige Umgebung bietet genug Auslauf und Platz zum Ausweichen.

Das war übrigens auch die Zeit, wo man alle möglichen Leute sah, die das Laufen anfingen… und schnell wieder aufhörten. Sie fingen anscheinend an, damit sie rauskönnen, was sonst ja nicht erlaubt war…

So konnte ich jedenfalls weiterhin unterwegs sein, und nach Feierabend mal den Kopf etwas freibekommen.

Auch Zwangspausen kamen mit der Zeit, denn bei über 30 Grad wollte ich nicht auf die Straße, das hatte mir in den zwei Jahren vorher jeweils ein paar Tage starke Kopfschmerzen im Rahmen von Hitzerschöpfung eingebracht. Das musste ich nicht noch einmal haben.

Auch Rückschläge in Form von Schmerzen im Knie musste ich verarbeiten. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass ich langfristig um eine Renovierung des Gelenkes nicht herumkommen würde. Jahrelanger Raubbau im Rahmen des Sportes fordert seinen Tribut ☹

Endlich ist es soweit

Dann war es endlich soweit: Der Jahresurlaub stand vor der Tür. Es fühlte sich komisch an, wenn man bedenkt, was dieses Jahr so alles abging.

Bei einer Woche an der See muss natürlich schon ein wenig geplant werden, damit ich die Zeit für meinen Langen Lauf hatte, zum Glück spielte das Wetter mit, und Frau, Kinder und Hund konnte ich am Hundestrand parken, zu dem ich später dann zurückkommen würde.

Ich hatte meine Runde im Vorfeld so geplant, dass sie tatsächlich die 21,1 km abdeckt, immer mit der Möglichkeit, irgendwo zu cutten, und einen kürzeren Weg zu nehmen.

Die 15 km-Marke musste aber wieder fallen!

Die Runde ging los über den Deich, durch den Fähr- und Fischereihafen und schon standen die ersten 5 km auf der Uhr. Leider hatte ich die Rechnung ohne meinen Körper gemacht, der sich bereits nach den ersten 6 km beschwert, es ei doch langsam mal gut, man könne doch mal eine Pause machen.

Okay, dann eben auf die harte Tour. Nach 6-7 km wollte ich mich auf keinen Fall geschlagen geben, dafür hatte ich zu oft bereits längere Touren dieses Jahr ohne Probleme gelaufen.

Ich quälte mich teilweise die Straßen und Wege entlang, bis ich ca. 15 km zusammen hatte.

Ich musste aber von hier aus auch noch irgendwie zum Hundestrand kommen. Das waren noch mindestens 4 km. Also sagte ich mir „weiter“, auch wenn es schwer fiel.

Immer wieder musste ich „aktive Gehpausen“ einlegen, was dann ungefähr einem strammen Walking entsprach. Dann wieder einen KM gelaufen, wieder eine „Walking-Pause“

So ging es dann, bis ich ungefähr auf Höhe des Hundestrandes war.

Ein Blick auf meine Uhr verriet mir: „19Kommaeinbisschen… Sch… die knapp Zwei machst Du jetzt auch noch“

Also noch einmal die Mole hoch, und wieder zurück, das kommt ungefähr hin aus meiner Erfahrung. Ich quälte mich jeden Schritt, Walkingpause-Laufabschnitt-Walkingpause-Laufabschnitt…

Ich war auf der Zielgeraden, als ich einen Blick auf die Uhr warf „ Noch 400 Meter“

Ich schaffte es, noch die letzten Reserven zu reaktivieren (keine Ahnung, woher ich die nahm) und lief, bis die Uhr 21,12km zeigte (ich wollte sichergehen, dass ich wirklich den Halbmarathon geschafft hatte).

Mir fehlte in dem Moment die Kraft, die Armehochzureißen und zu jubeln, stattdessen kämpfe ich mit den Tränen. Tränen des Glücks, wohlgemerkt, aber auch das wäre niemandem aufgefallen, es war windig auf dem Deich 😉

Die Wiederholung meines Laufes durch Norden und gleichzeitig der erste Halbmarathon meines Lebens

Ich war Happy, und so etwas von fertig, dass kann, so glaube ich, nur jemand verstehen, der es selber durchgemacht hat. An dem Tag besiegte ich nicht nur die Strecke, sondern auch mich selber, indem ich mich einfach selber antrieb, weiterzumachen.

Mal sehen, was das nächste Jahr mir bringt…

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