Öfter mal etwas Neues – Wie man in ein neues Rollenspiel findet

Heute wollen wir mal einen kleinen Ausflug in die Welt über den (Rollenspiel-)Tellerrand des Heimsystems machen.

Immer wieder lese ich davon, dass Leute ein bestimmtes Setting im Rollenspiel ausprobieren wollen, und dazu ein Rollenspielsystem benötigen.

Typischer Weise bekommen die Fragenden dann (vornehmlich in den Social Media Kanälen) haufenweise Antworten, welches die System Leute empfehlen (meistens ein relativ aktuelles System, das unter den Begriff „Universal“ fällt). Weiterlesen „Öfter mal etwas Neues – Wie man in ein neues Rollenspiel findet“

Die Genesis – oder wie man einen Charakter erschaffen kann

Nach längerer Pause heute mal wieder ein Lebenszeichen von mir.

Ich möchte Euch gar nicht mit Details langweilen, warum ich eine kreative Schaffenspause eingelegt habe, das dürft Ihr Euch selber ausdenken.

Heute möchte ich mal das Pferd von hinten aufsatteln, zumindest wenn man die bisherige Ausrichtung meiner Blogbeiträge bedenkt:

Heute will ich mich einmal mit den SCs, den Spielercharakteren auseinandersetzen.

Um genau zu sein, mit der Charaktererschaffung.

Da ich das Ganze nicht in einem bestimmten System gestalten möchte, wird es wohl sehr allgemein werden. Man möge mich dafür nicht steinigen.

  1. Das Konzept

Als Erstes benötigen wir ein Konzept:

Was möchte ich spielen? Soll es der edle Paladin sein, oder doch vielleicht der Ganove um die Straßenecke? Macht Euch im Vorfeld klar, was für ein Szenario Ihr spielen werdet. Bei One-Shots kann es durchaus vorkommen, dass der SL Euch Charaktere vorgibt (wird gerne bei Einführungsrunden oder auf Cons gemacht) Hier solltet Ihr Euch dann einen aussuchen, von dem Ihr meint, ihn spielen zu können und zu wollen. (Beides harmoniert leider nicht immer so ganz, musste ich selber schon des Öfteren feststellen).

Bei einigen Rollenspielen habt Ihr mit dem Konzept schon den halben Charakter erschaffen, gerade bei moderneren Systemen gibt es so etwas schon einmal ganz gerne. Das hat den Vorteil, dass man nicht in vielen Tabellen herumwühlen muss, um den Chatakter zusammenzustellen, denn über die Konzepte kann dann bereits sehr viel über den SC gesagt werden. Spielt man so zum Beispiel in einer sagen wir, mittelalterlichen Kampagne einen Charakter, und hat als Konzept Robin Hood gewählt.

So steht schnell fest, wir haben einen edlen Schurken, der gut mit dem Bogen umgehen kann, und der ziemlich frech gegenüber der Obrigkeit ist.

Außerdem hat er einen Ehrenkodex, der ihm nur das Stehlen von Materiellen Gütern bei den Reichen erlaubt, und von dem gestohlenen Geld wird er den Großteil den armen Bauern geben.

Hat man ein Rollenspiel, wo es viel um solche Charakterisierungen geht, so ist der Charakter schon zu einem guten Teil fertig.

Bei einem Rollenspiel, das sich viel mehr um Werte (Zahlen!) dreht, so muss man hier dann in den sauren Apfel beißen, und diese Charakterisierung in entsprechende Vor-und Nachteile sowie Fertigkeiten und/oder Attribute zu gießen.

2. Die Regeln
Damit sind wir dann auch beim nächsten Teil der Charaktererschaffung:

Den Regeln

Abhängig von System ist es nun erforderlich, den (zahlentechnischen) Hintergrund des Charakters auszuarbeiten. Habe ich nur eine handvoll Werte, bin ich damit schnell durch, muss ich viele Tabellen wälzen, dauert die Charaktererschaffung schon mal ein paar Stunden.

Hier gibt es verschiedene Geschmäcker, wie man das Ganze gestalten kann/soll/darf.

Am Besten als ganze Gruppe mit dem SL zusammen hinsetzen, und die Charaktererschaffung durchgehen, bzw. Regeln dazu festlegen.

Hier ist es sinnvoll, auch Sonderfälle zu betrachten, es gibt nichts frustrierenderes, als bei einem Würfel-Erschaffungssystem (z.B. Midgard oder DSA3) einen Charakter nicht zusammen zu bekommen, weil es vorne und Hinten nicht mit den Werten passt, und die Würfelwerte nicht entsprechend getauscht werden können. Bitte klärt bei solchen System mit Eurer Spielgruppe, ob hier Sonderregeln zur Charaktererschaffung möglich sind, oder man einfach mal ein paar Werte austauschen kann (wenn es möglich ist). Solche Hausregeln vereinfachen doch einiges.

Bei Kaufsystemen stößt man da gerne auf andere Probleme, zum Beispiel bedingte Charakterwerte, also bestimmte Fertigkeiten können erst ab bestimmten Attributen oder Vorteilen/Nachteilen verwendet werden. Hier ist es dann nicht immer Zielführend, diesen Charakter direkt so aufzubauen, da man ganz schnell ein „One-Trick-Pony“ erschafft, das aber ansonsten unter Umständen wenig überlebensfähig wird. Dann lieber für die Charakterentwicklung aufbewahren, wenn das möglich ist, oder den Charakter umgestalten.

3. Die Charakterentwicklung
Das bringt uns zum nächsten Punkt: Der Entwicklung der Charaktere

Wo möchte ich mit dem Charakter hin. Habe ich einen bestimmten Typus (nehmen wir wieder das Beispiel Robin Hood) so habe ich ein konkretes Bild, zu dem ich den Charakter hin entwickeln möchte. Hier ist es sinnvoll, eine Art Planung zu erstellen, wie man die nächsten Steigerungen aufwenden möchte. Ob hier das Bogenschießen verbessert werden soll, oder ob zum Beispiel akrobatische Einlagen hinzugenommen werden sollen. In diesem Falle ist es dann aber eine sehr genaue Vorgehensweise und genau durchgeplant. Meist ist es so, dass man eine ungefähre Vorstellung hat, und dann entsprechend im Laufe des Spiels Anpassungen macht, die sich mehr auf den Abenteuerverlauf beziehen. So kann sich ein Charakter teilweise in eine ganz andere Richtung entwickeln, als ursprünglich geplant. Beides hat seinen Reiz, und ist durchaus legitim, solange es allen Spaß macht.

4. Die Charakteroptimierung
Ein schwieriges Thema bei Charaktererschaffung (und auch bei der Entwicklung) ist die Charakteroptimierung. Sie wird gerne von sogenannten Powergamern verwendet, um den Charakter besser als alle anderen zu machen. Oftmals ist es ein Problem der Spieler, die nicht ganz verstanden haben, dass Rollenspiel kein Wettrüsten ist, und dass man nicht gegen den Rest der Gruppe „gewinnen“ muss.

Bei der Optimierung werden oftmals (gerade bei Kaufsystemen) Vorteile zum Ausbau des Charakters geholt, denen Nachteile gegenüberstehen, die nicht genutzt werden (können).

Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Im Rollenspielsystem X, in dem wir den Charakter Robin Hood gebaut haben, kaufen wir uns für den Charakter den Vorteil „Scharfschütze“ der es dem Char ermöglicht, noch besser zu schießen, als er es eh schon auf Grund seiner Fähigkeiten kann. Um das zu bewerkstelligen holt der Spieler noch einen Nachteil „Schlecht in schweren Kettenwaffen“ wohlwissend, dass er nie mit schweren Kettenwaffen kämpfen wird, zumal in unserem fiktiven Rollenspiel die Stärke Robins nicht ausreicht, um jemals eine Kettenwaffe zu führen. Das zeichnet oftmals einen Powergamer aus.

Leide werden bei solchen Charakteren auch gerne bestimmte Attribute „falsch“ eingesetzt. In meinen Runden habe ich es leider schon erlebt, dass ein Mitspieler die Körperlichen Attribute bis ans mögliche Maximum gepuscht hatte, die geisten Attribute jedoch eher unterdurchschnittlich waren.

Leider hat besagter Spieler diese schlechten Attribute nie ausgespielt, sondern dann einfach sein eigenes Wissen genutzt.

Eine Optimierung ist aber nicht grundsätzlich schlecht, man muss die negativen Seiten halt auch ausspielen. Allerdings sollte hier die ganze Gruppe entsprechend mitspielen, also ebenso die Mitspieler, wie auch der SL. Denn sonst artet es leider oft aus.

Damit möchte ich das Thema für heute erst einmal beschließen. Ich wünsche viel Spaß beim Charakterbau und Spielen 🙂

Viel Spaß und bis zum nächsten Mal